Willkommen

Fast in jedem Ort unserer Seelsorgeeinheit feiern wir im Advent Rorategottesdienste, zu denen besonders herzlich eingeladen wird. Wir verzichten auf das elektrische Licht und erhellen den Kirchenraum mit Kerzenlicht. Das trägt zu einer besonderen Stimmung bei. Und im Anschluss gibt´s dann morgens das gemeinsame Frühstück oder abends Glühwein und Plätzchen. So weit, so gut, das ist ungefragt sicherlich sehr schön.
Doch Rorategottesdienste wollen mehr als eine besondere Atmosphäre fördern. Denn da ist der Ruf: „Rorate caeli desuper, et nubes pluant justum“, der dieser Gottesdienstform ihren Namen gegeben hat.
Von seinem Ursprung her ist der Rorategottesdienst eine Messe, die zur Ehren der Gottesmutter im Advent gefeiert wird. Und solche Gottesdienste beginnen mit diesem Vers: „Rorate caeli …“ Aber wer kann schon Latein? Diese mystisch, fast magisch klingenden Worte des Propheten Jesaja klingen auf Deutsch so: „Tauet, ihr Himmel von oben. Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten. Tu dich auf, o Erde, und sprosse den Heiland hervor.“
Ich lade Sie ein, dieser Aufforderung ein wenig nachzugehen. Tau, Regen, das bringt Leben und Wachstum. Und dieses Leben und Heil kommt von oben, wird von Gott geschenkt.
Die Erde aber, die mütterliche Erde, die sich auftut, um dem Segen Raum zu geben, ist ein Bild für Maria, die sich dem Wort Gottes geöffnet und Christus in die Welt hineingeboren hat. Ihr „mir geschehe, wie du es gesagt hast“, ihre Zustimmung zu Gottes Willen ist für die Heilsgeschichte von großer Bedeutung. Daran denkt die Kirche, wenn sie Maria ehrt, wenn sie im Advent eine Roratemesse feiert.
Maria hat der Welt das ewige Licht geboren, Christus. Dieses Licht möchte in jeder Roratemesse neu in die Herzen aller Feiernden hineinleuchten und die Finsternis der Welt hell machen. Daran soll uns der Kerzenschein erinnern und in uns die Sehnsucht wecken, dass Christus auch in uns geboren wird. Denn „wäre Christus auch tausendmal geboren in jenem Stall zu Bethlehem, und nicht in Dir, du wärest ewiglich verloren,“ so dichtet Angelus Silesius.
Wenn es uns darum geht in unseren Rorategottesdiensten, dass Christus in unser Herz kommt, dann dürfen wir im Anschluss auch so richtig feiern, sei es mit einem gemeinsamen Frühstück oder auch bei einem Dämmerschoppen. Ich jedenfalls freue mich auf diese Gottesdienste und lade ganz herzlich zu ihnen ein.

Ihr Pfarrer Johannes Jaax