Willkommen

Was gestern noch klar war
Scheint heute hinter Nebeln ganz verschwommen.
Das Leben ist schon wieder mir zerronnen,
Noch ehe es ganz meines war.

Hans Jürgen Sittig

Liebe Schwestern und Brüder,

das Jahr ist schon wieder weit fortgeschritten und wir haben den November mit seinen vielen Nebeltagen erreicht. Gerade das Phänomen des Nebels ist vielleicht in diesem Monat ein geeignetes Bild um die Lage insbesondere auch unserer Kirche zu beschreiben.

Mit dem 1.1.2020 schlägt unser Bistum mit der „Pfarrei der Zukunft Wittlich“ ein neues Kapitel auf: Zusammen mit allen Pfarreien unseres Dekanates wird auch unsere Gemeinde mit in dieses neue Gebilde eingehen. Was uns erwartet, ist noch weitgehend unbekannt. Die Gefühlslage vieler Haupt- und Ehrenamtlichen in unseren Gemeinden lässt sich mit den Anfangsworten des Gedichtes von Hans Jürgen Sittig beschreiben: „Was gestern noch klar war / Scheint heute hinter Nebeln ganz verschwommen.“

Sittigs Gedicht zielt aber noch weit tiefer, denn ihm geht es weniger um äußere Strukturen, wie es Kirchengemeinden nun mal sind, sondern ihm geht es um das Leben schlechthin, das ihm gleichsam unter den Händen zerrinnt, ehe es überhaupt sein Eigenes ist. Damit ist dieses Gedicht ein Text, den wir auch über den Totenmonat November setzen können.

Denn gerade in dieser Zeit denken wir etwa an Allerheiligen, aber auch an anderen Tagen besonders an unsere Lieben deren Leben zerronnen ist, wie es unser Dichter ausdrückt. Als Christen leben wir aber aus der Hoffnung, dass unser Leben nicht einfach zerrinnt, sondern dass es geborgen ist in der Hand Gottes. Da ist der Ort, wo unsere Verstorbenen sind und so dürfen wir hoffen, dass ihnen Gottes Gabe zuteil wird, das Ewige Leben. In das Dunkel des Todes leuchtet das Licht des göttlichen Schöpfers.

Was hinter Nebeln verschwommen ist, erhält von Gott her eine neue Klarheit. Das gilt für die Toten, das gilt aber auch für die Kirche, die mit dem Vertrauen auf Gottes Beistand mutig neue Wege beschreiben kann.

In diesem Sinne grüßt Sie und Euch Ihr und Euer P. Albert