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Urlaubszeit – heilige Zeit

Schade, schon sind sie wieder vorbei, die Ferien, der Urlaub zu Ende. Schauen wir mal zurück: Das ganze Jahr über hat man geschuftet und gewerkelt, nun endlich will man ausspannen. Hat man sich ja auch redlich verdient, oder? Ferien, Urlaub, Reisen, Sommer, Sonne, Strand oder Berge, je nach Geschmack, leckere Eiscreme, tolle Abenteuer, Vergnügen pur und einfach nur abschalten.
Und Gott? Machen wir auch Urlaub von Gott, oder nehmen wir ihn auf unseren Reisen mit? Was sagt unser Glaube über Urlaub, Reisen, Ferien?
Mir kommt das alte Volkslied in den Sinn: Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt? Da wird das Reisen zu einem Gunsterweis Gottes. Es ist sein Geschenk, reisen zu dürfen. Also eigentlich seine Zeit.
Dazu passt, dass die Ferienzeit im englisch sprachigen Raum holidays genannt wird: – holy days – heilige Tage. Holy hat den gleichen Wortstamm wie whole, das Wort für „ganz, heil“. Also heilige Tage zum ganz werden, gesunden.
Wir Deutschen sprechen vom Urlaub. „Urlaub“ leitet sich her von „Erlaubnis.“ In der mittelhochdeutschen Sprache bezeichnete „urloup“ die Erlaubnis wegzugehen, die der Lehnsherr dem Ritter zu geben hatte.
Und die Franzosen, Spanier und Amerikaner. sprechen von „vacance, vacaciones, vacation“. Das kommt vom lateinischen „vacare“: leer, frei, unbesetzt sein; von etwas frei sein, Zeit, Muße haben. Hier wird also der Blick darauf gelenkt, dass Urlaub eine Zeit der Freiheit und Muße ist.
Damit aber haben Urlaub und Glaube einige spannende Gemeinsamkeiten.
1. Das Aufbrechen. Ein Theologe hat mal den spannenden Satz geprägt: „Das wichtigste am Glauben sind die Füße.“ Ja, die Bibel erzählt, dass Gott immer wieder Menschen auffordert, aufzubrechen, wie z.B. Abraham. Glauben heißt unterwegs sein. Neue Erfahrungen machen. Fremdes kennen lernen. Offen sein. Aufzubrechen. Urlaubserfahrungen?
2. Es ist erlaubt. Glaube und Urlaub sagen uns, dass die Freiheit zum Menschen gehört, und es ist dem Menschen nicht würdig, nur zu schuften und sich vom Zwang versklaven zu lassen, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Er soll punktuell vom Zwang der Notwendigkeiten befreit sein und ein Fest der Freiheit feiern. Das ist ein Kernpunkt unseres Glaubens: wir feiern das Fest der Befreiung, und das jeden Sonntag! Und sie sind eingeladen.
3. Zum Urlaub gehört das Genießen, zum Glauben auch. So sehr, dass der heilige Franziskus von der Ewigkeit spricht als dem ewigen Genießen Gottes. Und alles Genießen hier auf Erden kann Vorgeschmack der Ewigkeit sein.
Darum ein Tipp: Setze dich gedanklich neben Gott in den Liegestuhl und betrachte die Schöpfung. Steige auf Berge und bewundere die Welt. Besuche andere Städte und Kulturen und freue dich an Gottes Vielfalt. Was auch immer deine Art ist, Urlaub zu verbringen: nutze die Zeit, um Gottes Schönheit zu entdecken und ihn mindestens einmal am Tag zu loben. Denk daran: Nicht die Glücklichen sind dankbar, sondern die Dankbaren sind glücklich.
Sei dankbar für deinen Urlaub – es ist eine heilige Zeit.
Pfarrer Johannes Jaax