Willkommen

„Maria Knotenlöserin“ – so lautete der außergewöhnliche Titel der diesjährigen Frauenwallfahrt. Diese Überschrift scheint eher unserem praktischen Lebensalltag entnommen zu sein, als in Bezug zu Maria zu stehen. Wer von uns musste nicht schon in seinem oder in ihrem Alltag einige Knoten lösen…..manche waren leicht, andere recht schwer zu entwirren, was uns manchmal Nerven kosten konnte. Denn einen Knoten zu lösen ist immer eine Gedulds- und Ausdauersache. Umso filigraner sich die Schnur, die Kordel oder der Faden gestalten, desto mehr Fingerspitzengefühl ist erforderlich. Der Knoten könnte ebenso zu einem Sinnbild für die vielen kleinen und großen Probleme unseres Lebens werden, die es zu lösen gilt. Und tatsächlich existiert ein Gemälde in der Augsburger Kirche St. Peter am Perlach, das uns Maria als die Knotenlöserin präsentiert. Hingebungsvoll, unterstützt von zwei Engeln zur rechten und linken Seite, die die beiden Enden der Kordel halten, blickt sie aufrechtstehend, voller Konzentration mit leicht schräger Kopfhaltung auf den Knoten. Die Gottesmutter scheint die Welt um sich herum zu vergessen. Mit ihren feingliedrigen Fingern versucht sie die Knoten zu lösen. Über ihr schwebend, die Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes.
Papst Franziskus, damals noch kein Papst, zeigte sich bei einem Deutschlandbesuch 1986, der Ihn eher zufällig in diese Kirche führte, ganz angetan von der Aussagekraft des Bildes. Er nahm einige Andachtsbilder dieser Mariendarstellung mit nach Argentinien. Fortan waren die Menschen dort so begeistert, dass eine Kopie des Kunstwerkes angefertigt und in der Kirche San José del Talar seinen Platz fand. Seitdem wird es rege von vielen Wallfahrern besucht.
Auch mir gefällt dieses Bild. Es macht deutlich, dass wir uns als Christen mit unseren Schwierigkeiten auf himmlische Mächte stützen dürfen, und das besonders auf Maria. Wir sind nicht allein gelassen mit unseren Problemen. Maria interessiert sich dafür. Sie packt die Dinge tatkräftig an und das mit viel Einfühlungsvermögen, sowie einer nicht endenden Langmut. Gerade im Hinblick auf einige Mächtige dieser Welt, die meinen die Schwierigkeiten auf unserer Erde nach Art Alexander des Großen, der den gordischen Knoten mit einem Schwert zerschlagen hat, bereinigen zu müssen. Maria zeigt uns vorbildhaft, dass die Lösungen ohne Zerstörung und Gewalteinwirkung von statten gehen können. Das Bild verschweigt ebenso wenig, dass Lösungen Ausdauer und Geduld erfordern. Doch Maria ist nicht allein. Über ihr schwebt Gottes Geist, dem sie unabänderlich vertraut. Daher fühlt sie sich gestärkt, gibt nicht auf an der Entwirrung des Knoten zu arbeiten.
Auch wenn wir selber aufgefordert sind an unseren Problemen mit zu wirken, scheinen doch manche Knoten sehr schwer zu lösen. Sei es in unserem privaten Umfeld oder im politischen Bereich, besonders im Hinblick auf die Konflikte dieser Welt. Vor einigen Knoten sind wir geneigt zu resignieren, da wir meinen, dass sie unlösbar für uns sind. Das ist natürlich schwer auszuhalten. Doch sind wir nicht nur auf uns gestellt. Maria zeigt uns, dass wir die Probleme abgeben und in ihre, sowie Gottes Hand legen dürfen.
Falls Sie mal nach Augsburg kommen, schauen Sie doch mal rein bei St. Peter am Perlbach und lassen Sie sich ansprechen von Maria der Knotenlöserin, wie Papst Franziskus es vor uns getan hat. Vielleicht hilft es auch Ihnen das Vertrauen in die göttliche Kraft zu stärken, im Wissen darum, dass ich mit allen Problemen und Schwierigkeiten bei Maria und ihrem Sohn gut aufgehoben sein darf.
Es grüßt Sie und Ihre Familien recht herzlich,
Ihre Gemeindereferentin Beate von Wiecki-Wiertz