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„Es kommt in Schiff geladen“

Ein Schiff, gefüllt mit vielen Menschen, namenlos, ohne Gesicht, unbekannt, und Maria mit dem Jesuskind im Schoß, umstrahlt von hellem Licht, gehüllt in das Rot der Liebe, auf der Fahrt durch die blauen Fluten hin zu der im Hintergrund liegenden Stadt und ihrem Hafen. Wem fällt bei der Betrachtung des Bildes auf unserem Weihnachtspfarrbrief nicht sofort dieses uralte Advents- und Weihnachtslied ein: „Es kommt ein Schiff geladen.“ Ein Lied mit drei Adventsstrophen und ab der vierten Strophe dann ein Weihnachtslied.
Lied und Bild stellen treffend unsere Situation als Kirche dar. Viele Menschen im Schiff der Kirche, grau, anonym, ohne Gesicht, ohne Namen, mitten drin die Jungfrau, die das Kind gebar, das Hoffnung in die Welt gebracht. Gold, Rot, Gelb, Farben, die der Hoffnung Ausdruck verleihen.
Die Heimat der Menschen ist aber nicht das Schiff, das dient nur zur Überfahrt. Die Heimat taucht am Horizont auf, eine Stadt, in denselben Farben wie das Kind und die Mutter, aufgebaut auf dem Grün der Hoffnung.
Noch aber ist das Schiff, – sind wir mitten auf der Fahrt durch das große Meer. Noch ist das Ziel nicht erreicht, noch ist, wie in den ersten drei Strophen des Liedes Advent. Und doch ist schon mitten in diesem adventlichen Geschehen Weihnachten. Die Frau und das Kind sind da, im Boot. Schon und noch nicht. Die Spannung unseres Glaubens.
Ich wünsche Ihnen jetzt schon die weihnachtliche Erfahrung ab der vierten Strophe des Liedes, dieses Ausgespanntsein zwischen dem schon jetzt – aber noch nicht, zwischen der Realität dieser Welt und dem Hereinbrechen des Reiches Gottes.
Und das ist ja wohl der tiefste Grund der Feier des Weihnachtsfestes, ich wünsche Ihnen diese Spannung zwischen dem Erleben des Karfreitags und der Gewissheit des Ostermorgens, wie das Lied es besingt. In diese Pole ist unser Leben ausgespannt, zwischen diesen Polen muss sich der Glaube bewähren, aus diesen Polen erst schöpft er seine Kraft. Nur so bekommt Weihnachten seinen Sinn.
Ich lade sie ein, dieses Lied „Es kommt ein Schiff geladen“ mitzunehmen in die letzten Tage des Adventes und in die Weihnachtszeit und mit Hilfe dieses Liedes nachzuspüren, was wir da eigentlich feiern.

In diesem Sinne, auch im Namen aller Mitarbeiter
ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest Ihr Pfarrer Johannes Jaax

Es kommt ein Schiff, geladen
bis an sein’ höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewigs Wort.

Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilig Geist der Mast.

Der Anker haft’ auf Erden,
da ist das Schiff am Land.
Das Wort will Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren;
gelobet muß es sein.

Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muß vorher mit ihm leiden
groß Pein und Marter viel,

danach mit ihm auch sterben
und geistlich auferstehn,
das ewig Leben erben,
wie an ihm ist geschehn.

Maria, Gottes Mutter,
gelobet musst du sein.
Jesus ist unser Bruder,
das liebe Kindelein