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Und was ist mit mir?  


So fragen sich viele, die sich in irgendeiner Weise ehrenamtlich in unseren Gemeinden engagieren. Einige Gedanken zu dieser Frage von Michaela Tholl aus dem Bereich Ehrenamts-Entwicklung im Bischöflichen Generalvikariat:

„Unter dem Eindruck der massiven Veränderungen, die wir gerade im Bistum Trier erleben, bleiben Verunsicherung und Skepsis nicht aus. Es sind gegensätzliche Befürchtungen: Die Einen glauben, dass Ehrenamtliche nicht mehr gebraucht werden. Sie gehen davon aus, dass alles nur noch an zentralen Orten stattfinden wird. Die Anderen fürchten, dass durch den Rückgang des priesterlichen und anderen hauptamtlichen Seelsorgepersonals viel mehr Ehrenamtliche gebraucht werden, die diesen Verlust ausgleichen sollen. Während die Einen ausblenden, dass die Kirche auch künftig an vielen Orten lebendig sein wird, setzen die Anderen voraus, dass alles genau so weitergehen soll, wie es war.

So fragen sich zurzeit manche ehrenamtlich Engagierte, wo, von wem und in welcher Form sie in Zukunft Begleitung und Unterstützung finden. Damit verbunden ist die Sorge, ob es denn in Zukunft überhaupt noch genügend Ehrenamtliche geben wird, „Wo sollen denn die Ehrenamtlichen herkommen, die in Zukunft die ganze Arbeit machen sollen? Wir sind doch jetzt schon zu wenige. Es will sich doch keiner mehr in der Kirche engagieren.” Oder auch: „Werden wir überhaupt noch gebraucht? Die Räte werden ja sowieso abgeschafft.“ Manchmal aber auch in erwartungsvoller Spannung: „Wann und wo können wir anfangen, etwas Neues auszuprobieren?“ So und ähnlich ist es in den Resonanzveranstaltungen zur Raumgliederung häufig zu hören gewesen.

Tatsache ist, dass es gegenwärtig rund 80000 ehrenamtlich engagierte Menschen im Bistum Trier gibt. Regelmäßige Erhebungen auf Bundesebene zeigen, dass das freiwillige Engagement in der Gesellschaft insgesamt nicht abnimmt. Was sich ändert, sind die Formen und die Zeitdauer des Engagements. Die Herausforderung für das Bistum Trier besteht darin, durch gute Rahmenbedingungen dafür zu sorgen, dass Menschen

sich auch weiterhin mit ihren Charismen einbringen können. Viele Pfarreien haben seit einigen Jahren Mühe, bei Wahlen zu den pfarrlichen Räten genügend Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Die Synode zerstört nicht ein gesundes System, sondern sie schafft die Bedingungen, damit Kirche stabil in die Zukunft gehen kann. Denn es entstehen neue synodale Strukturen, die Mitbestimmung und Teilhabe auch künftig gewährleisten werden, Durch die großen Räume werden zudem Formen der Sorge für die Kirche vor Ort möglich, die nicht an die Bedingungen einer Pfarrgemeinderatsordnung gebunden sind. Schon heute gibt es in neu gegründeten Pfarreien örtliche Teams, die an den einzelnen Kirchorten für gemeindliches Leben sorgen.

Die Verunsicherung, die derzeit spürbar ist, ist trotzdem verständlich. Gewohnte Formen wandeln sich. Das Neue muss erprobt und gelebt werden. Menschen, die sich engagieren wollen, brauchen Sicherheit und Unterstützung in dieser Zeit des sich Neu-Findens, Die Synode bekennt sich in ihrem Abschlussdokument „heraus gerufen. Schritte in die Zukunft wagen” ausdrücklich zu einer gemeinsamen Verantwortung aller Getauften und zu einem starken Ehrenamt. Das muss verbindlich und glaubwürdig umgesetzt werden. Hier liegt eine wesentliche Aufgabe in der Synodenumsetzung.

Es geht um eine Kultur, in der das freiwillige Engagement nicht als „Lückenbüßertum” betrachtet wird, sondern als selbstbestimmte Verantwortungsübernahme von Menschen, die ihr Christsein im Ehrenamt verwirklichen wollen.

… Zu einer solchen Kultur gehört auch, dass die Betonung der Taufberufung nicht zu einer pauschalen Verpflichtung zum Engagement verzweckt wird. Menschen werden ihr Christsein auch künftig auf unterschiedliche Art und Weise leben. Deshalb ist vieles nicht am Reißbrett planbar. Entscheidend wird sein, wie die derzeit sichtbare Kirche denen begegnet, die in der Kirche der Zukunft einen Platz haben sollen.“

Soweit Michaela Tholl. Ihre Gedanken geben treffend wieder, was uns allerorts auch in unserer Pfarreiengemeinschaft in dieser Zeit des Umbruchs begegnet. Vergessen wir dabei aber nicht, dass es, auch wenn es mit keinem einzigen Wort gesagt wurde, eigentlich um Jesus Christus geht, um seine frohmachende Botschaft, die auch heute noch, vielleicht in anderem Gewand als früher, die Menschen erreichen will. Eine Aufgabe, die uns alle angeht.

Pfr. Johannes Jaax