Impuls zum 2. Advent – Wartezeit

Der Begriff „Advent“ stammt aus dem Lateinischen und wird hergeleitet von advenire = Ankommen bzw. adventus (Domini) = Ankunft (des Herrn).  Somit bezieht er sich ursprünglich auf die vierwöchige Vorbereitungszeit der Christenheit auf die Geburt Jesu an Weihnachten. Eine weitere Übersetzung könnte auch „Abenteuer“, z. B. eine Entdeckungsreise in eine unerschlossene Region, meinen.

Bei einer solchen Reise ist nichts geplant und alles ungewiss. Ich fasse meinen ganzen Mut zusammen und lasse mich auf etwas ein, wovon ich noch keine Vorstellung habe, wie es werden wird. Das ist ein Wagnis, aber macht auch frei von Verpflichtungen und Erwartungen anderer Menschen. Mit Neugier, Offenheit und allen Sinnen breche ich auf. Ich höre auf mein Inneres und nehme die Haltung des Wartens ein.

Vom Warten

Die Gesichter der Wartenden –
genervt, gelangweilt,
angespannt,
matt, müde, leer.

Was erwarte ich?
Was erwartet mich?

Wartezeit als Un-Zeit,
Nicht-Zeit, Zwischen-Zeit;
Warten als verlorene Zeit,
als hohle und als leere Zeit.

Was erwarte ich?
Was erwartet mich?

Warten als gefüllte Zeit,
als Lebens-Zeit,
als Hoffnungszeit,
Warten in Verbundenheit.

Was erwarte ich?
Was erwartet mich?

Die Gesichter der Wartenden –
lebendig, offen, froh:
Wartezeit im Hoffnungskleid
erfüllter,
ja ganz anderer Zeit.                                                                          Dorothee Sandherr-Klemp

Bei diesem Warten geht es nicht um Erwartungen, die andere an mich richten, sondern um das, was mich erwartet bzw. was ich geben kann – etwas, das mich weiterbringt –  weil ich weiß: Gott ist da! Er lädt mich ein und begleitet mich auf meinem Weg. Er hält alles für mich bereit, sobald ich bereit bin und mich einlasse …

ERWARTEN
bedingungslos
auf sich zukommen lassen
nach vorne schauen

nichts vorgeben
frei sein
aufbrechen

empfangen
dankbar annehmen
nach mehr sehnen

Haltung zeigen
hören
helfen

ankommen
Ich bin da

 

In guter Hoffnung wollen wir gemeinsam singen:
„O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu, denn heute schon baust du dein Reich unter uns,
und darum erheben wir froh unser Haupt. O Herr, wir warten auf dich.“                                                     

(GL 233 Helga Esther Poppe)